Was bedeutet Diagnostik und Clearing?
Diagnostik und Clearing ist ein strukturiertes Verfahren, um die Situation eines Kindes oder Jugendlichen fachlich fundiert einzuschätzen, bevor über die weitere Hilfe entschieden wird. Der Begriff Clearing beschreibt dabei den Prozess des Klärens: Welche Belastungen liegen vor? Welche Ressourcen gibt es? Und welche Hilfeform passt tatsächlich zur Situation - nicht nur zur ersten Vermutung.
Wann wird eine Diagnostik notwendig?
Typische Anlässe sind der Verdacht auf ADHS, Autismus, eine Bindungsstörung, eine Traumafolgestörung oder eine Entwicklungsverzögerung - aber auch die Frage, welche Hilfeform im Hilfeplangespräch die richtige ist. Diagnostik steht damit oft am Anfang eines Hilfeprozesses, nicht erst am Ende.
Welche Verfahren kommen konkret zum Einsatz?
- ADHS-Diagnostik: mehrdimensional auf Basis von Fremd- und Selbsturteil, Verhaltensbeobachtung und standardisierten Tests wie CONNERS und DISYPS-ADHS
- Bindungsdiagnostik: Bindungsgeschichten und AQS bei jüngeren Kindern, AAI-Ableitung und SSBU bei älteren Kindern und Jugendlichen
- Traumadiagnostik: strukturierte Erfassung traumatischer Erlebnisse und PTBS-Symptomatik mit altersadaptierten Verfahren wie CATS, CPSS, UCLA-PTSD-RI und CRTI
- Intelligenzdiagnostik: standardisierte IQ-Testung mit WISC-V, WPPSI oder SON-R, inklusive Erfassung von Teilleistungsschwächen wie LRS oder Dyskalkulie sowie Hochbegabungsdiagnostik
Wie läuft eine Diagnostik Schritt für Schritt ab?
Am Anfang steht ein Erstgespräch, in dem die Fragestellung geklärt wird - was genau soll abgeklärt werden, und von wem kommt der Auftrag. Danach folgt die eigentliche Durchführung der vereinbarten Testverfahren: Verhaltensbeobachtung, projektive Verfahren und strukturierte Interviews, je nach Fragestellung ergänzt um die oben genannten standardisierten Tests. Am Ende steht ein vollständiges diagnostisches Gutachten mit Testbefunden, fachlicher Einschätzung und konkreten Empfehlungen.
Wie lange dauert eine Diagnostik?
Eine reguläre Diagnostik ist durch eigene Kapazitäten in unter vier Wochen abgeschlossen. Bei dringendem Bedarf ist auch eine kompakte Einschätzung innerhalb von zwei Wochen möglich - prägnant und verwertbar, aber ohne den langen Vorlauf einer vollständigen Diagnostik.
Wofür wird das Gutachten verwendet?
Diagnostische Gutachten fließen typischerweise in Hilfeplangespräche nach § 36 SGB VIII ein und geben Jugendämtern eine fachliche Grundlage für die Entscheidung über die passende Hilfeform. Auf Anfrage werden Gutachten auch gerichtsverwertbar erstellt - etwa für familiengerichtliche Verfahren.
Ankernetz: Diagnostik mit kurzen Wegen zur nächsten Hilfe
Weil Diagnostik bei Ankernetz Teil eines vernetzten Hilfesystems ist, folgt auf die Abklärung kein Bruch: Ergibt die Diagnostik einen Bedarf an Psychotherapie, Krisenintervention oder therapeutischem Wohnen, ist der Weg dorthin kurz - alles unter einem Dach.